München ohne Oktoberfest


Manfred Ohler vertrat die Vereinsfarben beim diesjährigen München-Marathon – hier sein Stimmungsbericht:

„Wir sind schon am Freitag angereist, da wir den Marathon und München mit einem Kurzurlaub verbinden wollten. Am Freitagnachmittag ging es dann auch gleich zur Marathonmesse, um meine Startunterlagen abzuholen.  An diesem Nachmittag war noch wenig los und man konnte in Ruhe die Stände ablaufen, die Angebote vergleichen und auch Sachen anprobieren.
Am Samstag machten wir uns dann wieder früh zum Olympiazentrum auf. Meine Frauen (Anette und Jana) wollten am Trachtenlauf über 4km teilnehmen. Es regnete nicht, aber es war ziemlich kalt. Was aber dem Lauf nicht den Spaß nahm. Im Anschluss gab es für jeden Teilnehmer noch ein Weißwurst-Frühstück mit alkoholfreiem Bier.  Das Bier habe ich verdrückt, da ich ja meinen Flüssigkeitsspeicher auffüllen musste. Auf dem Rückweg zur U-Bahn trafen wir dann Heinz-Dieter mit seiner Frau.

An diesem Nachmittag war für meine Frauen „Power-Shopping“ angesagt. Meine Gedanken sagten mir, dass ich wohl nicht der einzige Läufer mit diesem Schicksal sein werde. Mein Motto war also, so wenig Laufen und Stehen wie möglich. Viel trinken und immer eine Toilette in der Nähe haben.
Wir waren dann trotz allem Shopping recht früh im Hotel. Glücklicherweise hatte das Hotel einen leckeren Italiener. Dort konnte ich gemütlich meine Kohlenhydratspeicher auffüllen.  Im Anschluss packte ich noch meinen Kleiderbeutel, kontrollierte ihn mehrmals und richtete meine Laufklamotten.
An diesem Abend lag ich sehr früh im Bett und schlief auch sehr gut.

Als ich um 06:30 Uhr aufwachte, regnete es heftig. Ein Blick auf den Wetterbericht beruhigte mich. Es sollte ab 09:00 Uhr mit den Regen aufhören und dann war sogar Sonnenschein gemeldet. Nach einem „leichten“ Frühstück zog ich meine Wettkampfkleidung und eine warme Jacke an, diese wollte  ich für die Kleidersammlung spenden.
Langsam wurde ich auch nervös,  weil ich nicht wusste, ob alles so zeitlich bis zum Olympiazentrum klappt wie ich es mir ausgerechnet hatte.
Da ich an einer frühen Haltestelle in die U3 einstieg, noch bei Regen, waren noch sehr wenige Läufer anwesend. Das änderte sich zunehmend Richtung Marienplatz. Gegen Ende war die Bahn vollgestopft mit Läufern und bei mir stieg die langsam aber sicher Vorfreude.
Raus aus der U-Bahn und siehe da, der Regen hatte aufgehört. Ein kurzer Marsch zum Olympiastadion, letzte Check, ob ich alles an mir habe (Nummer, Chip) und der Kleiderbeutel  konnte abgeben werden. Glücklicherweise waren auch direkt neben der Kleiderabgabe die Toiletten. Dort machte sich in der Warteschlange schon zeitliche Unruhe bemerkbar, da es schon kurz vor halb zehn war. Nach dem Besuch auf der Toilette lief ich nochmals die Tribüne hoch, um nach TSV`lern Ausschau zu halten, sah aber niemand. Bestimmt werde ich sie am Start treffen, dachte ich mir und machte mich auf den Weg.
Am Start angekommen, merkte ich schnell, dass ich etwas zu spät dran war. Um in den A-Block zu kommen, musste ich über die Absperrung klettern. Leider war das nur am Ende vom A-Block möglich. Um mich herum waren sehr viele Läufer mit Zielzeiten 3:45, 3:30 usw.. Was mich nicht gerade glücklich machte. Mir war klar, dass die ersten Kilometer konzentriertes Überholen bringen würden.

Pünktlich zum Start kam dann sogar die Sonne raus. Von Frieren war jetzt nichts mehr zu spüren. Lag an dem herrlichen Wetter und wohl auch am Adrenalin.
Nach einem sehr lauten Startschuss (Schreck) ging es dann langsam über die Startlinie. Nach einigen hundert Metern erreichte ich meine geplante Laufzeit.
Für das Rennen hatte ich mit drei Abschnitte vorgenommen. Erster Abschnitt 15km, laufen in vorgenommener Zeit, aber nicht schneller. Zweiter Abschnitt bis 30km, wieder laufen in vorgenommener Zeit, aber nicht abbauen, nicht schlechter als bei 15km fühlen. Dritter Abschnitt bis Ziel (wenn möglich): zulegen.
Meine Marschtabelle war ziemlich einfach zu merken: 5km in 20min, 10km in 40min usw.

Bei der Siegessäule wollte meine Familie stehen, sie kamen aber leider fünf Minuten zu spät. Somit war mein erster Motivationsschub an der ersten Wechselstelle. Dort  jubelte mir Norbert zu. Ungefähr bei Kilometer 16 überholte ich Lars Draudt von der SG Rülzheim. Von Thomas, Kai und Heidi keine Spur. Entweder ich hatte sie am Anfang beim Überholen übersehen oder sie starteten hinter mir los.

Es lief alles nach Plan, bei 5km hatte ich eine kleine zeitliche Reserve, bei 10km war ich genau auf Zeit, die 20 durchlief ich auch fast genau. Irgendwie verlor ich dann zwischen 20 und 25km einiges an Zeit. Was ich aber bis Kilometer 30 wieder einlief. Jetzt begannen die psychologischen Spielchen. Laut Plan wollte ich die letzten 12km noch zulegen. Das verschob ich dann auf die letzten 10km, 8km, 7km, …
Als ich vom Sendlinger Tor Richtung Marienplatz einbog und dort die vielen Menschen sah, dachte ich „Wow, jetzt gibt’s Stimmung!“ Fehlgedanke! Ich lief genau zum Glockenspiel über den Marienplatz. Der wohl ungünstigste Zeitpunkt. Alle Menschen drehten den Läufern den Rücken zu und schauten hoch zum Glockenspiel. Schade!

Endlich sah ich dann auch Kai, ungefähr bei Kilometer 36, er bei Kilometer 33. Dort bei der Universität liefen die Teilnehmer sich entgegen.
Bei Kilometer 38 bekam ein Läufer in meiner Gruppe Unterstützung von einem „Pacer“. Er sagte ihm: „Auf geht’s, jetzt musst du beißen, es kommt der schlimmste Teil“! Prompt brach der Läufer ein. Ich versuchte ihn auch noch zu ermuntern, lief aber meinen Schnitt weiter. Bei der Siegessäule lief ich auf die bis dahin auf Platz fünf liegende Frau auf (Kerstin Steg von der LAC Quelle Fürth). Zwischen  Kilometer 39 und 40 war dann aus bei mir. Meine Power verließ mich und ich versuchte noch alles, um die Zeit zu halten. Die fünfte Frau lief mir davon und, was mich wunderte, der Läufer mit dem Einbruch lief mit seinem Pacer vorbei als sei nie etwas gewesen.

Was mich dann nochmal aufrappelte, war der Sprecher, der die letzten 1200 Meter verkündete. Mensch, nur noch drei Stadionrunden. Das läufst du doch im Schlaf! Auch, dass viele Läufer einbrachen und ich nochmal anziehen konnte. Wie zum Beispiel die fünfte Frau, sie blieb kurz vorm Marathontor mit Krämpfen stehen.

Der Einlauf ins Stadion war echt Gänsehaut: Nebel, Lichter und dann ins altehrwürdige Olympiastadion. Auf der Gegengeraden jubelte mir dann ein einzelner Zuschauer lautstark zu, Heinz-Dieter! Er animierte mich nochmals zu einem Spurt, obwohl ich wusste, dass ich meine Zielzeit nicht mehr erreichen konnte.

Die Verpflegung im Zielbereich war perfekt: alles, was das Läuferherz nach einem Marathon begehrt. Die Treppen raus aus dem Stadion nicht. Dort hatten einige ihre Probleme.

Alles in allem war es für mich ein toller Saisonabschluss, mit persönlicher Bestzeit von 2:51:14 und unter den Top 100 bei den deutschen Meisterschaften.
Um mein persönliches Ziel zu erreichen, bleibt nächstes Jahr auch noch Zeit. Jetzt bekommt mein Körper und mein Kopf erst mal eine Pause!“